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Digitales Tagebuch / 2004 - ?

Monat: November 2014

Perspektive(n)

Ich stand heute in einer Fußgängerzone. Es hatte 4 Grad und jedenfalls mir war ess kalt genug um Schal, Mütze und Handschuhe zu tragen. Ein Obdachloser schlief auf einer Parkbank vor dem Swarovsky-Geschäft. Wenn er dir Augen öffnet sieht er warm eingepackte Beine, Hüften, Hintern und volle Einkaufstüten.

Ich sitze mit geschlossenen Augen an meinem Schreibtisch. Es ist warm und behaglich, so behaglich, dass ich auch im T-Shirt nicht friere. Ich sehe Menschen in Gießen wohnen, in Herrenberg, in Stuttgart, in Berlin, in London, in den USA. ich Wenn ich die Augen öffne sehe ich eine weiße Wand.

Ich sitze im Zug, Landschaften fliegen vorbei. Der Boden vibriert unter meinen Füßen, Ich bin also in Bewegung. Körperlich spürbare Bewegung. Bewegung ist schon mal etwas, ein Zeichen, dass etwas passiert. Wäre die Vibration und das Geräusch nicht, die Bewegung wäre nicht wahrnehmbar.

Die Erde rauscht mit tausenden Kilometern pro Stunde durch’s All. Immer vorwärts, niemals zurück.

Herbstlaub

Rainer Maria Rilke schrieb über den Herbst folgendes Gedicht .

Ende des Herbstes

Ich sehe seit einer Zeit,
wie alles sich verwandelt.
Etwas steht auf und handelt
und tötet und tut Leid.

Von Mal zu Mal sind all
die Gärten nicht dieselben;
von den gilbenden zu der gelben
langsamem Verfall:
wie war der Weg mir weit.

Jetzt bin ich bei den leeren
und schaue durch alle Alleen.
Fast bis zu den fernen Meeren
kann ich den ernsten schweren
verwehrenden Himmel sehn.

Draußen ist es Herbst, der Schönbuch ist noch bunt, doch langsam werden die Wipfel kahl werden. Ruhiger. Gleichzeitig Regen, Wind, Novemberstürme. Passend eigentlich zu mir gerade.
Etwas Ruhe wäre schön. Dieses Wochenende werde ich nicht durch die Gegend fahren können, und so schwer es mir fällt ohne Nina hier zu sein, versuche ich dem doch etwas Gutes abzugewinnen. Ausruhen, Nudeln kochen, Tee und doch, ich habe mir vorgenommen auch etwas zu lernen. Wie früher™.
In mir ist es immer wieder stürmisch, Arbeit, Planung der nächsten Monate, Sicherheit, Angst, Zukunftsaussicht: halbgewiss. Neue Herausforderungen warten, oder könnten warten – Letzteres trifft es wohl besser, nur eigentlich, es wäre so viel einfacher, wenn sich nichts änderte. Keine fallenden Blätter, keine Stürme.

Gleichzeitig passieren tolle Dinge, ich komme in die Endauswahl für eine tolle Konferenz in Warschau im Februar (unter den letzten 9 von über 40 Einreichungen, es werden 4 Plätze vergeben), ich habe mit Ohai Insecurity ein kleines Nebenblog-Projekt gegründet und ich habe zwar noch nicht viele LeserInnen, aber das Thema an sich kommt gut an, mal sehen, wie es weitergehen wird. Ich möchte auf jeden Fall da weitermachen.
Ich zocke ein bisschen mehr Computerspiele, und zwar Shadowrun Returns auf dem Mac, Pflanzen gegen Zombies 2 auf dem iPad und Monument Valley mit der neuen Erweiterung auf dem iPhone. Letzteres ist wie eine kleine geführte Meditation. Herrlich. Besondere Beziehungsmomente gab es für mich die Tage auch.  Wie ein Herbstsonnennachmittag bevor der Winter kommt.

Jetzt gibt es, dem Abend angemessen, erst mal Bier und Badewanne.

Kleinigkeiten

Es sind die Kleinigkeiten, die am meisten fehlen. Morgens koche ich mir immer Kaffee. Sonst habe ich dann bevor ich gehe, eine Tasse, einen Löffel und Zucker neben die Kaffeemaschine gestellt. Manchmal, wenn ich später oder Nina früher dran war, habe ich ihr den Kaffee an’s Bett gebracht. Jetzt koche ich nur noch auf der Skala der Maschine 4 Tassen Kaffee statt 7, solange, bis…

Es sind die kleinen Dinge, die fehlen.

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