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Digitales Tagebuch / 2004 - ?

Monat: März 2015

Vom Denken

Zurück in Deutschland und alles, was war, wirkt so klein. Ich denke mich oft selbst klein. Großdenken will eben gelernt sein.
Zukunftspläne sind dafür da über den Haufen geworfen zu werden.
Neue Menschen wollen gefunden, alte entstaubt und Vampire gepfählt werden.
Die Ohren wollen neue Musik hören, neue Sprachen,  neue Geschichten.

Und die Pinien aus Redmond fehlen hier.
Überhaupt die Weite fehlt.
Der Nebel am Morgen.

Manchmal vergesse ich, dass ich ein Kreis bin. Dauert ganz schön, bis aus einem Menschen ein Kreis wird. Muss man ganz schön dengeln. Das tut weh, fühlt sich aber gut an.
Ich denke mich, meine Arbeit und meine Beziehung neu, damit ich wirklich ein Kreis sein kann. Ich für mich, denn nur zwei Kreise führen zur Unendlichkeit. Wobei, reichen zwei Kreise?

Healing?

Ich bin einer dieser “Knibbler”. Wenn ich als Kind hinfiel und eine Schürfwunde am Knie hatte, habe ich immer, sobald da eine Kruste drauf war, angefangen an den Rändern rumzuknibbeln. Und irgendwann kam dann der glorreiche Moment, andem man die Kruste ganz abziehen kann. Manchmal hing die noch an einigen Stellen doll fest, und dann zog ich sie schmerzhaft trotzdem ab. Oft blutete es dann noch, manchmal auch ganz doll, wenn ich sehr ungeduldig war.
Ich bin heute noch ein Knibbler, auch wenn ich geduldiger und rationaler bin, und warte, dass es nicht mehr blutet, wenn ich die Kruste abziehe.
Was mein Herz angeht, bin ich mit dem Gedulden nicht sehr gut. Kaum war die Kruste da, knibble ich rum. Jetzt liegt das Loch wieder frei und das Herzblut suppt so richtig schön raus.
Yoga hilft. Alte und neue Herzmenschen helfen. In Amerika sein hilft irgendwie. Es erinnert mich daran, die Wunde zu pflegen.

Und manchmal winkt einem von der anderen Seite des Loches im Herzen, das zu einem Herzblutsee wird, eine andere Seele zu und lächelt dich an und winkt dich zu sich und du weißt gar nicht, was du sagen sollst, weil es schlicht keine Worte dafür gibt.

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