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Digitales Tagebuch / 2004 - ?

Monat: Februar 2016

You get what you pay for – der Rant zum WGT 2016

Dieses Jahr kostet das Wave-Gotik-Treffen stolze 120 Euro. Früher ™, ich glaube 2003, waren es mal 55 Euro. Dann etwas über 70 und letztes Jahr dann 99 Euro oder sowas. Ich dachte zuerst „Hui“, 20 Euro mehr dieses Jahr ist nicht wenig. Dann hab ich mal kurz überlegt, was sonst so Konzerte kosten. Mein Stand von 2015 in Deutschland war so bei „30 Euro für ne durschnittliche Metal/Goth-Kapelle, 50 Euro für was sehr bekanntes und um 90 Euro für Megastars“. Okay, es soll ja auch Bands geben, die pro Auftritt 120 Euro verlangen. Dagegen sind 120 Euro für ein fünftägiges Festival (4 Tage plus Anreisetag) eher Kleingeld. Selbst 168 Euro für Wacken (3 Tage offiziell plus 1 Anreisetag) sehen dagegen noch recht vernünftig aus.

Und was machen „die Gruftis“? Sie schreien es sei zu viel, Zeter und Mordio auf Facebook.

Aber es kommt noch besser. Es ist Jubiläumsjahr. Und als Besonderheit hat sich das WGT-Team ausgedacht allen Besuchern 4h Achterbahnfahren im örtlichen Vergnügungspark zu schenken. Auch da: Zeter und Mordio.

Wie können die nur?! Und Gruftis und Achterbahnen, geht ja gar nicht?!

Im Ernst: wie peinlich.

Ich sage nicht, dass es nicht ein finanzieller Kraftakt ist für 120 Euro auf’s WGT zu fahren. Für mich war es das bis vor ein paar Jahren auch, bei einer Karte, die 70 Euro gekostet hat. Dieses Jahr muss man halt nen 20er mehr für das Ticket ausgeben und 4 Bier weniger trinken. Und dafür eine Veranstaltung unterstützen, die es so nirgends auf der Welt gibt.

WE ARE GOTH und das kann „uns“ ja wohl mal was wert sein. Und leider, leider, leider leben wir nicht auf dem Ponyhof, wo die Versicherung einer Großveranstaltung, die Gage bzw. Spesen für Bands, die Miete von Locations, der Lohn für Helfer, Security und Techniker sinkt. Entschuldigt, aber ich kann da nicht ganz ohne Sarkasmus bleiben. Über eine sterbende Szene jammern, aber selbst nix tun. Es erwartet ja niemand, dass ihr selbst Festivals organisiert, oder Parties, oder was der Henker. Seid doch froh, dass es so eine komfortable Möglichkeit gibt, die Szene am Leben zu erhalten.

You get what you pay for! Und wenn man nix zahlt gibt es auch nix. Das ist sie dann, die tote Szene. Fragt mal die ganzen Partyveranstalter aus Stuttgart, wieso es nicht mehr 10-12 Partys pro Monat im Großraum gibt – wie früher(tm), so 2006 –, sonder so etwa 5 oder 6. Genau, 6 Euro Eintritt sind halt zu viel, da wird der DJ doch reich und ich werd arm.

Final nur ein kurzes Wort zur Achterbahn.

Es muss auch nicht jede_r Achterbahnfahren toll finden, oder Freizeitparks. Meine eigene, kleine Filterbubble der Goth-Szene fuhr jedenfalls durchweg gerne Achterbahn. Wieso also nicht?! Herrje, Stock aus dem Arsch und weitermachen. Ihr müsst da ja nicht hin! Geht ihr halt auf eine der 10 anderen Partys an dem Abend, oder trinkt Met auf dem Heidnischen Dorf oder auf dem Zeltplatz mit der Familie. Blos nix neues, gelle?! Das mit den Cybermenschen hat ja auch nicht lang gehalten, oder den Pikes oder…oh, wait.

Ich freu mich auf’s WGT 2016. Hier, auf der anderen Seite des Teiches gibt es Menschen, die daführ Jahre sparen und alle in Europa beneiden. Außer 1-2 kleinen Festivals (ich rede von ein paar hundert Besuchern) gibt es hier nämlich keine größeren Goth-Events, die sind alle vor 20 Jahren gestorben. Wieso? „Zu teuer“.

12

Mein Blog ist die Tage 12 geworden und ich hab es vollkommen verpasst.

12 Jahre und ich schreib immer noch. Menschenskinder!

Allen, die hier lesen ein dickes Danke, ein „hach“ und <3!

Euer

Benny/Benjamin/Elektrojunge

Always at home, forever at sea.

Always at home, forever at sea …

So lautet das Motto der Octopus Bar, in der Corinna und ich kürzlich waren. Eine sehr coole Bar in jedem Fall und sowohl Cori als auch ich sind sehr in diesen Ort verliebt. Ihr solltet wirklich den Link klicken und die Legende des Oktopusses lesen. Aber darum soll es jetzt nicht gehen.
Sondern viel mehr darum, dass ich immer wieder an den Spruch denken muss. Weil er jetzt, da ich “weg von zuhause” wohne, natürlich immer wieder über dieses “Zuhause” nachdenke.
Ich fühle mich hier, in diesem “fremden Land” sehr zuhause. Ich benutze das Navi eigentlich nur mehr um zu entscheiden welchen der 2–3 mir bekannten Wege von A nach B ich benutze, oder um den Stau zu umgehen, nicht mehr, um an’s Ziel zu kommen.
Ich denke weniger darüber nach, wie ich meine Getränke bestelle, was ich zu meinen Kollegen sage. Nur träumen tu ich immer noch auf Deutsch. Was sicher auch damit zu tun hat, dass ich eben mit Cori Deutsch spreche.
„Zuhause“ ist also Sprache.
Zuhause ist ein Ort zum Wohlfühlen.
Zuhause sind andere Menschen.

Ein paar nette Menschen gibt es hier schon und wenn ich bzw. wir es nicht versemmeln werden sie auch Freunde werden. Da ist er dann aber, der einzige Moment, an dem das “alte” Zuhause manchmal fehlt. Menschen. Zum Glück gibt es das Internet und Facebook, und Skype – das ich viel zu wenig nutze um meine Freunde in Deutschland zu sehen – aber manchmal wäre eine Umarmung, ein Kuss oder ein Blick doch ganz nett.
Dennoch, dieses “zu Hause” ist weniger ein Ort, sonder eher eine Lebens- oder Denkweise, “mind set” sagt man auf Englisch. Gerade in Zeiten, in denen ich aus Deutschland oder auch hier in den USA sehr viel Beunruhigendes lese und sehe, wird mir das noch mehr bewusst:
Ich bin dort zuhause, wo ich mich entscheide zu leben, wo Menschen sind, die ich mag, wo die Natur so ist, wie ich mag, wo ich mich ausdrücken kann,… nicht dort, wo ich geboren bin.

Ich bin überall da zuhause, wo ich Freunde habe. Also überall. Always at home.
Wenn ich Menschen sehe, die nichts an dem, wer sie sind, was sie tun, wie sie leben, sie erleben oder was sehen, ändern möchten, wird mir klar, dass ich anders bin.
Nicht, dass ich alles (mich eingeschlossen), ändern möchte. Nein, nein. Ich finde, dass es immer etwas “anders” oder “besser” zu machen gibt. Und wenn nicht bei mir, dann bei anderen. Und wenn ich mich nicht verändere, wird es die Welt um mich herum sein, die sich verändert. Noch ein Grund mehr nicht stehen zu bleiben. Forever at sea.

Always at home, forever at sea. Ich mag den Spruch.

Mittwoch

Es ist Mittwochabend, kurz for neun, es regnet. Nicht in Strömen, aber doch so, dass ich ein wenig bereue, statt eines Regenschirms meine Schirmmütze aufgesetzt zu haben. Ich laufe nur 10min zu Fuß nach Hause, deshalb ist es nicht schlimm.
Ich laufe am Denny Park entlang. Einem kleinen Flecken Grün, mit großen Bäumen, Sträuchern, einfachen Pflanzungen, einem Brunnen und ein bisschen Wiese. So, wie man eben kleine Grünflächen in deutschen Großstädten wie Berlin oder München auch findet. In Stuttgart gibt es davon ja eher zu wenige, aber naja.
Du stehst am Rand des Parks, neben der großen Straße und ich sehe dich schon von Weitem. Du bist vielleicht Ende 60, trägst einen schwarzen Mantel und ein schwarzes Tuch schützt deinen Kopf nur mehr schlecht als Recht vor Regen. Kurz halte ich dich für einen der armen, oft obdachlosen und manchmal (w)irren Menschen, die hier ab und an an Kreuzungen stehen. Doch dann sehe ich, dass deine Kleidung teuer und deine Frisur akkurat ist. Du trägst dezentes, teuer aussehendes Make-up. In deiner Hand hältst du eine einzelne, in noch nicht durchgeweichtes Papier gewickelte, rote Rose. Sie ist ganz frisch und nur wenige Wassertropen sind auf den Blütenblättern zu sehen.
Hast du sie bekommen und bringt du sie jemandem mit? Hast du deinen Regenschirm vergessen, oder genießt du vielleicht den Regen?
Ich laufe an dir vorbei und hoffe, dass du einen schönen Abend hast.

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